Interview mit terzo-Experte und Hörgeräteakustik-Meister Wolf-Peter Ziegler

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Herr Ziegler, welchen Einschränkungen sind Menschen mit Hörminderung ausgesetzt?

Viele haben Probleme, ihren normalen Alltag zu bewältigen, weil sie ihre Gesprächspartner nicht mehr richtig verstehen. Um die Hörminderung auszugleichen, muss das Gehirn eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit aufbringen. Das ist für den Einzelnen sehr anstrengend und hat zur Folge, dass die Menschen schnell ermüden und sich permanent gestresst und unsicher fühlen.

Dieser Stress wirkt sich natürlich auch auf zwischenmenschliche Beziehungen aus. Die Menschen sind nicht mehr so belastbar und die Orientierungsfähigkeit sowie das räumliche Hören leiden. Das heißt zum Beispiel: Wenn die Enkelkinder rufen, weiß die Oma nicht, ob die Stimme aus dem 1. Stock oder aus dem Keller kommt.

Was hat sich in den letzten Jahren in der Therapie von Hörschäden getan?

Bis vor einigen Jahren gab es nur die klassische Anpassung von Hörgeräten zur Behandlung von Hörverlust. Das hat sich grundlegend geändert: Seit 2004 zum Beispiel gibt es die terzo®Gehörtherapie, die den Hörverlust ganzheitlich betrachtet und besonders die Verknüpfung von Gehirn und Gehör berücksichtigt. Denn auch das Gehör braucht Training!

Die terzo®Gehörtherapie baut die Hörfilter des Gehirns wieder auf. Die Hörfilter im Gehirn machen es erst möglich, dass wir uns trotz vieler Hintergrundgeräusche auf einen einzelnen Gesprächspartner konzentrieren können. Ähnlich einem untrainierten Muskel werden diese innerhalb weniger Wochen mit Hilfe von Trainings-CDs, Trainings-Hörgeräten und verschiedener Übungen zu Hause in gewohnter Umgebung geschult. So lernen die Teilnehmer, Sprache wieder besser zu verstehen und verbessern so ihre Lebensqualität.

Viele Menschen interessiert besonders, wie die terzo®Gehörtherapie ihren Alltag verändert. Können Sie uns dazu etwas erzählen?

Die Aufgabe der Therapie ist es, den Menschen besseres Sprachverstehen in Kommunikationssituationen mit Nebengeräuschen zu ermöglichen. Sie müssen sich erst wieder daran gewöhnen, hohe Töne und Laute wieder deutlich zu verstehen.

Interessanterweise denken viele Menschen, ein Hörgerät würde sie „alt" machen – dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Durch das bessere Hören wirken die Menschen vitaler und können stressfreier am Leben teilhaben, als dies mit einer Hörminderung der Fall wäre. Dadurch bringen die Mitmenschen ihnen auch wieder mehr Vertrauen entgegen – sei es im Berufsalltag oder im Privaten, zum Beispiel beim Aufpassen auf die Enkel. Ich höre auch oft, dass die Teilnehmer wieder gerne an gesellschaftlichen Situationen wie Geburtstagsfeiern oder Restaurantbesuchen teilnehmen.

Geben Sie uns ein Beispiel für einen typischen Therapieverlauf mit terzo.

Eine terzo®Gehörtherapie dauert im Durchschnitt etwa zwei Wochen und besteht aus insgesamt vier Sitzungen des Teilnehmers mit seinem Akustiker. In einer ersten Sitzung wird eine Gehöranalyse des Kunden angefertigt sowie ein Hörprofil erstellt.

Beim zweiten Termin beginnt dann die eigentliche Therapie: Der Akustiker erklärt die Hörübungen, das Ausfüllen des Trainingsbuchs und die Handhabung des Trainings-Hörgeräts. Dazu gehört, dass der Teilnehmer etwa eine Stunde am Tag Hörübungen absolviert sowie seine Trainingshörgeräte den ganzen Tag trägt.

Nach 7 Tagen trifft der Teilnehmer sich erneut mit seinem Akustiker und spricht über seine Erfahrungen. Hierbei werden auch eventuelle Herausforderungen angesprochen und bei Bedarf Anpassungen vorgenommen. Nach 14 Tagen bespricht der Teilnehmer seinen Trainingserfolg mit dem Akustiker und trifft gegebenenfalls die Entscheidung für ein Hörgerät.

Einige Teilnehmer brechen die Therapie vorzeitig wieder ab. Wie erklären Sie sich das?

In einigen Fällen gelingt es den Akustikern nicht, die Motivation des Teilnehmers über den gesamten Therapieverlauf zu halten. Allerdings ist es oft auch so, dass die Teilnehmer die Vorgaben der Therapie nicht einhalten; zum Beispiel tragen sie ihr Hörgerät nicht oder zu kurz, andere verwenden nicht genug Zeit auf die Hörübungen oder füllen das Trainingsbuch nicht richtig aus.

Andere Teilnehmer sind nicht bereit, die Wahrnehmungsänderung zu akzeptieren, die das Tragen eines Hörgeräts mit sich bringt. Allerdings kann die Kommunikationsfähigkeit der Menschen, die meist durch die Hörminderung eingeschränkt war, wieder aufgebaut werden. Dadurch verlieren sie die Angst vor anspruchsvollen Hörsituationen, wie zum Beispiel Meetings im Büroalltag. So bleiben die Menschen belastbar und fit. Und am Ende einer erfolgreichen Therapie sagen mir Teilnehmer oft: „Ja, es war anstrengend, aber am Ende hat sich die harte Arbeit gelohnt."

Wie sind die Erfahrungen Ihrer Kunden mit der terzo®Gehörtherapie?

Ich bekomme immer wieder die Rückmeldung, dass sich das Sprachverstehen der Teilnehmer vor allem in Situationen mit vielen Nebengeräuschen signifikant verbessert hat. Eine Besonderheit im Vergleich zu einer klassischen Hörgeräte-Anpassung ohne begleitendes Training ist, dass die Teilnehmer lernen, sich selber besser beurteilen und einschätzen zu können.

Dadurch, dass der Teilnehmer aktiv in den Anpassprozess mit eingebunden ist, lässt sich im Nachhinein auch eine höhere Zufriedenheit mit der Hörhilfe feststellen. Außerdem erwirbt der Teilnehmer während der Therapie viel Hintergrundwissen zum Thema Hörverlust und kann sich so besser einschätzen – so wählt er meiner Erfahrung nach instinktiv das Hörgerät aus, das seinen Bedürfnissen am besten entspricht.